SCHDAIL

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MUSIK

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2005 - 2018 +

VIDEOS

GESCHICHTE

Meine Geschichte ist meine Biografie – und ich erzähle sie Stück für Stück, verpackt in Songs. Das Ganze ist wie ein Puzzle, das Zeit braucht, um sich zu sortieren, Form anzunehmen und im Verlauf seine volle Wirkung zu entfalten. Hier findest du keine erzwungenen Versuche auf Trenderfolg oder Stiladaption; das ist mir völlig egal. Auch wenn ich den Zeitgeist mal verfehle, bleibt es genau die Musik, die ich im Moment fühle – und nur so fühlt es sich für mich richtig an. Schdail im Jahr 2025

STORY SCHDAIL

Während der Landkreis Reutlingen in den 2000er-Jahren bereits eine blühende Hip-Hop-Szene besaß – geprägt von etablierten Kräften wie dem berüchtigten Klopstockblock (KSB) oder der Crew Soside (aus der später Bassquiat mit Künstlern wie Tua und Kaas hervorgehen sollte) –, sah es im benachbarten Metzingen mager aus. Eine eigene Hip-Hop-Infrastruktur existierte schlichtweg nicht. Unabhängig von der Musik gab es jedoch schon davor eine feste Metzinger Clique rund um E-Style, Capkin und Dudek, die als Freunde permanent zusammen draußen unterwegs waren. Da die Jungs zu der Zeit noch die Schule besuchten, prägte der Alkohol vor allem an den Wochenenden die Freizeitgestaltung. Aus dieser Dynamik heraus formierte sich schließlich die feste Street-Gruppierung „Die Harlems“, an deren Entstehung auch Dado Loco essenziell beteiligt war. Der Name stammte von der „Harlem World“, einem damaligen Hip-Hop- und Street-Laden in der Metzinger Nylon-Allee.

Aus dieser Bewegung heraus entwickelte sich das gemeinschaftliche Interesse der Jungs zu Rap-Musik. Dado Loco hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vor den anderen eigene Musik gemacht und Tracks bei dem Riedericher Urgestein Lil Dre aufgenommen. Lil Dre war es auch, der die ersten Berührungspunkte der Jungs mit der aktiven Rap-Welt prägte: In den Kellerpartyräumen der Metzinger Harlekin-Spielothek organisierten die Dzaferi-Brüder damals legendäre Untergrund-Rap-Battles. Während dort regionale Szenegrößen wie Claking und Jazek von KSB auftraten, konnte auch Lil Dre am Mikrofon Rap-Battles für sich entscheiden. Obwohl E-Style, Capkin und Dudek damals noch zu jung waren, um selbst aktiv auf die Bühne zu steigen, war dieses Umfeld ihr erster prägender Kontakt mit der lokalen Rap-Szene.

Anstatt sich jedoch einer fremden, älteren Umgebung anzupassen, gründete die Handvoll Freunde im Jahr 2005 einfach ihr eigenes Fundament: MyCrew. Die Jungs rappten von nun an quasi jeden Tag – eine enorme Intensität, die nicht nur die Nachbarschaft, sondern auch den erweiterten Freundeskreis forderte. Doch genau in diesem kreativen Vakuum entstand eine eigene Kunstwerkstatt, die das Metzinger Umfeld gleichermaßen anzog wie abstieß.

Hier kristallisierten sich früh die Rollen heraus: E-Style etablierte sich mit Tiefgang und starken Texten. Dass Capkin ein extremes Taktgefühl und eine enorme technische Reife mitbrachte, spornte E-Style an, immer besser zu werden – eine gegenseitige Motivation, durch die beide künstlerisch wuchsen. Dudek tastete sich in dieser Zeit Schritt für Schritt an die Musik heran und war von seiner direkten Ausdrucksart geprägt. Dado Loco hielt sich am Mikrofon bei MyCrew vorerst im Hintergrund und trat erst Jahre später im EX-Records-Zeitalter auf einem Song auf dem Mixtape „NewComerKings“ wieder prominent in Erscheinung.

Im Jahr 2008 folgte eine Neuausrichtung. Gemeinsam mit X-Dream (heute Bossert) gründete E-Style das Label EX-Records (benannt nach ihren Initialen), woraufhin MyCrew aufgelöst wurde. Es entstand ein spannungsgeladenes, aber hocheffektives musikalisches Pflaster. X-Dream und Capkin bildeten das stimmliche Battle-Rap-Schwergewicht der Region, während E-Style die Musik als Kunstmittel der sprachlichen Tiefe nutzte. Über X-Dream kam in dieser Phase auch der Kontakt zu A-Seduction zustande, die aus dem Großraum Reutlingen stammte. Sie konnte die damalige Vision perfekt mit gesanglicher Untermauerung bedienen und schrieb parallel bereits an ihren ersten eigenen Rapsongs. Diese Zusammenarbeit trug schnell Früchte, sodass sie mit gleich drei Songs einen prägenden Teil zum anstehenden Mixtape beitrug.

Nach dieser produktiven Phase trennten sich die Wege jedoch wieder; da die Jungs als Metzinger quasi permanent zusammen draußen unterwegs waren, fand sie dort nie den richtigen, tiefen Anschluss an die Gruppierung. Am Ende musste für die Musik eben auch das Crewgefühl im Alltag absolut matchen, um dauerhaft authentisch zu bleiben. Doch selbst das Gefüge mit X-Dream war von Anfang an fragil. Obwohl er hochgradig zielgerichtet arbeitete und die Crew mit seinen visionären Ideen pushte, war auch er kein Metzinger – und somit kein Teil dieses eingeschworenen Freundschaftsbundes der Metzinger Clique. Dadurch entstand eine spürbare Zerreißprobe: Die Arbeit mit X-Dream lief zwar extrem produktiv, doch die Ur-MyCrew-Konstellation aus E-Style, Capkin und Dudek besaß in diesem starren Label-Konstrukt plötzlich keinen Raum mehr zur eigenen Entfaltung. Capkin selbst sah die Risse im Fundament schon früh und sagte voraus, dass er bei der EX-Records-Bewegung nicht ewig dabei sein würde – für den Moment war es okay, aber auf lange Sicht spiegelte der Labelname sein hohes Talent und seinen Beitrag schlicht nicht wider.

Trotzdem war die Ära fruchtbar. Dudek arbeitete unermüdlich an sich, gab nie auf, wurde immer besser und überzeugte alle mit seiner stimmgewaltigen Rohdiamanten-Präsenz. Mit dem Street-Mixtape "Schwarze Nacht" (visuell untermalt von Grafiker DirtyChriz) gelang im Jahr 2008 das erste physische Release, das im Landkreis für mächtig Wirbel sorgte. Die Crew wuchs: Puzzler und die gesanglich hochtalentierte Tatjana stießen dazu. Tatjana steuerte unvergessliche Hooks bei, merkte jedoch bald, dass ein klassisches Rap-Crew-Gefüge ihr nicht den optimalen Raum zur vollen musikalischen Entfaltung bot.

Den absoluten Höhepunkt dieser Ära markierte das Free-Download-Mixtape "NewComerKings", auf dem erstmals alle Member vertreten waren und das den Namen der Crew endgültig im gesamten Landkreis Reutlingen etablierte.

Differenzierte persönliche und musikalische Interessen sowie zwischenmenschliche Meinungsverschiedenheiten führten im Jahr 2011 schließlich zur wohl kalkulierten Auflösung von EX-Records. Doch der harte Kern der Freunde, die gemeinsam aufgewachsen waren, hielt zusammen. Sie allen voran gründeten die Schdailstudios (abgeleitet vom schwäbisch ausgesprochenen „Style“). Der Name war gleichzeitig eine Hommage der Jungs an E-Style – der ab 2012 auch offiziell unter dem Künstlernamen Schdail auftrat –, da er über all die Jahre hinweg der ehrgeizige Motor, der Produzent und der sichere Hafen der Gruppe war.

Als Befreiungsschlag gegen den bitteren Ernst der Szene entstand 2012 das "Spastentrefftape". Hier ging es nicht darum, auf „hart“ zu machen, sondern Musik völlig losgelöst vom damaligen Zeitgeist zu produzieren, die der Sache die Ernsthaftigkeit nahm. Unterstützt wurde diese Ära durch den lokalen Rap-Kollegen Lay-O, der für seine rasanten Doubletimes bekannt war und als enger Freund im Studio an seinen Solo-Projekten arbeitete.

Kurz darauf trennten sich die örtlichen Lebenswege: Schdail zog für sein Studium in eine neue Stadt und nahm das Herzstück der Bewegung – das Studio – logistisch mit. Da Schdail seit jeher das kreative Aufnahme-Zentrum gebildet hatte, fehlte Capkin und DekBaby (damals noch Dudek) im Landkreis Reutlingen fortan die gewohnte Basis. Das Schreiben und vor allem das Aufnehmen von Rap-Musik geriet in der alten Heimat vorerst ins Stocken.

Schdail selbst blieb an seinem neuen Studienort jedoch hochproduktiv. Zwischen Hörsaal und Vorlesungen schrieb er ununterbrochen Texte und kanalisierte seine Energie in ein Projekt, das eine tiefe, zerreißende Seele in sich tragen sollte: das 2016 erschienene digitale Mixtape Kapitel Eins via SoundCloud. Während auf Tracks wie Mich Rap mit Emka ein weiteres großes Metzinger Talent eindrucksvoll gefeatured wurde, entstand abseits der Booth ein schwerer, erstickender Schatten. Inmitten einer tiefen persönlichen Krise und einer depressiven Spirale entstanden Zeilen, die einfach geschrieben werden mussten – roh, ungefiltert und schmerzhaft. Die Songideen waren längst tief im Kopf gepflanzt; kaum startete ein melancholischer Beat, begannen die Gedanken auf Papier aufzublühen und im selben Atemzug wieder zu verwelken. Diese unbändige Kraft während des Schreibprozesses und der Aufnahmen klingt mächtig und voller Stärke – zumindest im ersten Moment. Man muss selbst in den Meilenstein Meine Welt reinhören, um diese zerreißende Stimmung wirklich zu begreifen. Schdail stand an einem Punkt, an dem er diese immense Last nicht mehr aus eigener Kraft lösen konnte. Die Rettung war bereits zum Greifen nahe, doch sein Herz war in jenen Monaten noch verstockt – bedingungslos dem Kampf mit sich selbst ausgeliefert und dem Schatten zugewandt.

In dieser dunklen Phase erhielt Schdail Zuspruch von Deutschrap-Legende TBurna – einem großen Kindheitsidol und einer seiner größten Rap-Inspirationen. TBurna sollte eigentlich mit einem Feature-Part auf Meine Welt vertreten sein und griff in seinen Zeilen die Botschaft von Jesus und dem christlichen Glauben auf. Getrieben von inneren Dämonen konnte Schdail diese Handreichung damals jedoch nicht einordnen. Er entschied sich gegen das Feature, schrieb einen eigenen Part und stürzte in eine weitere Spirale der Selbstzerstörung. Erst Jahre später, im Jahr 2024, kam der alles verändernde Wendepunkt: Mit Gottes unendlicher Kraft und der bedingungslosen Hingabe zu Jesus fand Schdail die Erlösung und eine Verbindung des Glaubens, die seine Lebenszeit auf dieser Welt überdauern wird.

Trotz dieser inneren Kämpfe ging der musikalische Weg in den späten 2010ern weiter: 2017 folgte das digitale Free-Mixtape Sunray als exklusiver Drop auf YouTube, welches den Sound melodischer gestaltete und wichtige Zusammenarbeiten mit Capkin und Beobeh hervorbrachte. Im Jahr 2018 erschien schließlich das Hollywood-Tape, das sich völlig losgelöst von Schmerz und bitterem Ernst präsentierte. Hier stand wieder die pure, unbeschwerte Freude am Reime-Spitten im Fokus. Eingefleischte Kenner finden auf diesem Tape zudem eine ganz besondere, versteckte Botschaft, die direkt an Capkin gerichtet ist.

Sieben Jahre vergingen, in denen der Regelkontakt zwar ruhte, das brüderliche Band aber die Zeit überdauerte. 2025 sucht Capkin das Gespräch mit Schdail. Alte Enttäuschungen wurden ausgesprochen und aus der Welt geschafft. Aus dem wiederaufgelebten Fundament der alten Freundschaft entsprang eine stolze Erkenntnis: Die Songs, die sie vor über einem Jahrzehnt geschrieben hatten, besaßen eine Zeitlosigkeit und Qualität, die das, was der aktuelle Rap-Zeitgeist zu bieten hat, meilenweit übertrafen.

Schdail fasste den Entschluss, die Rap-Gruppierung in ihrer Ur-Konstellation ins kommerzielle Streaming-Zeitalter zu führen. Unter dem Titel "Zeitreise" schloss sich der Kreis: Auf die erste "Zeitreise EP" mit Capkin folgte im selben Jahr die "Zeitreise NCK EP" – auf der nun auch DekBaby wieder mit von der Partie war. Das Kürzel NCK erhielt damit ein cleveres Wortspiel und bedeutete nun reif: "Neue Chancen Kommen".

Nach einer Reihe kontinuierlicher Single-Releases steuern Schdailstudios im Jahr 2026 nun auf ihr nächstes großes Werk zu: Die "Zeitreise Kapitel Eins EP". Hier schließt sich der Kreis endgültig, denn für diese Neuauflage ist geplant, das damals verlorene Feature mit TBurna wieder aufzunehmen. Man darf extrem gespannt sein, ob diese geschichtsträchtige Kollaboration Wirklichkeit wird. Metzingen ist zurück auf der Karte – und die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.

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