Während der Landkreis Reutlingen in den 2000er-Jahren bereits eine blühende Hip-Hop-Szene besaß – geprägt von etablierten Kräften wie dem berüchtigten Klopstockblock (KSB) oder der Crew Soside (aus der später Bassquiat mit Künstlern wie Tua und Kaas hervorgehen sollte) –, sah es im benachbarten Metzingen mager aus. Eine eigene Hip-Hop-Infrastruktur existierte schlichtweg nicht. Unabhängig von der Musik gab es jedoch schon davor eine feste Metzinger Clique rund um E-Style, Capkin und Dudek, die als Freunde permanent zusammen draußen unterwegs waren. Da die Jungs zu der Zeit noch die Schule besuchten, prägte der Alkohol vor allem an den Wochenenden die Freizeitgestaltung. Aus dieser Dynamik heraus formierte sich schließlich die feste Street-Gruppierung „Die Harlems“, an deren Entstehung auch Dado Loco essenziell beteiligt war. Der Name stammte von der „Harlem World“, einem damaligen Hip-Hop- und Street-Laden in der Metzinger Nylon-Allee.
Aus dieser Bewegung heraus entwickelte sich das gemeinschaftliche Interesse der Jungs zu Rap-Musik. Dado Loco hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vor den anderen eigene Musik gemacht und Tracks bei dem Riedericher Urgestein Lil Dre aufgenommen. Lil Dre war es auch, der die ersten Berührungspunkte der Jungs mit der aktiven Rap-Welt prägte: In den Kellerpartyräumen der Metzinger Harlekin-Spielothek organisierten die Dzaferi-Brüder damals legendäre Untergrund-Rap-Battles. Während dort regionale Szenegrößen wie Claking und Jazek von KSB auftraten, konnte auch Lil Dre am Mikrofon Rap-Battles für sich entscheiden. Obwohl E-Style, Capkin und Dudek damals noch zu jung waren, um selbst aktiv auf die Bühne zu steigen, war dieses Umfeld ihr erster prägender Kontakt mit der lokalen Rap-Szene.
Anstatt sich jedoch einer fremden, älteren Umgebung anzupassen, gründete die Handvoll Freunde im Jahr 2005 einfach ihr eigenes Fundament: MyCrew. Die Jungs rappten von nun an quasi jeden Tag – eine enorme Intensität, die nicht nur die Nachbarschaft, sondern auch den erweiterten Freundeskreis forderte. Doch genau in diesem kreativen Vakuum entstand eine eigene Kunstwerkstatt, die das Metzinger Umfeld gleichermaßen anzog wie abstieß.
Hier kristallisierten sich früh die Rollen heraus: E-Style etablierte sich mit Tiefgang und starken Texten. Dass Capkin ein extremes Taktgefühl und eine enorme technische Reife mitbrachte, spornte E-Style an, immer besser zu werden – eine gegenseitige Motivation, durch die beide künstlerisch wuchsen. Dudek tastete sich in dieser Zeit Schritt für Schritt an die Musik heran und war von seiner direkten Ausdrucksart geprägt. Dado Loco hielt sich am Mikrofon bei MyCrew vorerst im Hintergrund und trat erst Jahre später im EX-Records-Zeitalter auf einem Song auf dem Mixtape „NewComerKings“ wieder prominent in Erscheinung.